INTERVIEW MIT VICTOR QUETA, DEM SPIRITUELLEN ERBE DES TAITAS QUERUBIN. Zum ersten Mal kommt er aus dem kolumbianischen Dschungel zu Besuch nach Europa.

VICTOR IST FÜR QUERUBIN EHER EIN SOHN ALS EIN ENKEL, DEM ER SEINE WEISHEIT VERMITTELT UND ÜBERTRAGEN HAT.

Uns hat das Verhalten und die Zentrierung der europäischen Gruppen sehr überrascht, bei  denen er in Spanien und Italien anwesend war.

Bei Inner Mastery führen wir mit Víctor Julio Queta Criollo, dem Enkel des Taita Querubin und dem nächsten spirituellen Erben seiner Gemeinde ein Interview durch. Der Taita Querubin ist der einheimische Anführer der Gemeinde der Cofán im kolumbianischen Amazonasgebiet.  Víctor Queta und sein Gefährte John Arcesio Ruano, Koch des Ayahuasca des Taita machen eine internationale Tour durch unsere verschiedenen Zentren in Europa mit der Absicht, unsere Zentren und Erfahrungen aus erster Hand kennenzulernen.

Fernando López

Was bedeutet es für Sie in Europa zu sein?

Ich komme auf die Einladung von Alberto Varela hin und ich muss sagen, dass ich sehr froh bin, hier zu sein und die Medizin mit Freunden zu teilen. Ich fühle mich sehr gut und glücklich, ich werde sehr gut behandelt. Ich möchte mich für diese Einladung bedanken. Ich weiß, dass wir dieselbe Absicht verfolgen, nämlich viele Krankheiten zu heilen und zu kurieren.

Wie empfinden Sie die Leute, die sie hier getroffen haben?

Ich sehe, dass es viele geistig erkrankte Menschen gibt. Ich habe das Gefühl, sie sind verloren und verstehen nicht, was das Leben bedeutet. Sie klammern sich an viele Dinge und können sich nicht dafür “freimachen”, sich freier und zufriedener mit sich selbst zu fühlen. Dafür sind wir mit unserer Medizin hier, um denjenigen, die es brauchen zu helfen und ihnen eine Richtung zu geben.

Wie ist Ihr Großvater, der Taita Querubin?

Er ist ein Mensch mit einem guten Herzen. Ein Mensch, der weiß, der versteht, der ein großes Wissen bezüglich vieler Dinge hat, der vielen Menschen eine Richtung weist, ganz besonders innerhalb seiner ganzen Gemeinschaft. Er ist ein Mensch, der für die ganze Welt Gutes tut.

Was ist das Schwierigste, das Sie von Ihrem Großvater gelernt haben?

Vielleicht war das Schwierigste, die Menschen um mich herum zu verstehen. Diejenigen, die dich umgeben und die dir Böses wollen. Es gibt Menschen, die auf missbräuchliche Art handeln und es ist schwer, sie zu verstehen und ihnen zu helfen. Durch die heilkräftige Pflanze konnten wir ihnen helfen und damit sind wir unterwegs, mit dieser so wichtigen Aufgabe. Was sich auch noch als sehr schwierig erwies war das Erlernen des Umgangs mit den traditionellen Heilpflanzen, aber wir arbeiten daran und lernen weiter.

Wie kann Ayahuasca im Westen eine Hilfe sein?

Es kann sehr hilfreich sein. Der Mensch richtet den Planeten zugrunde. Viele Menschen glauben, dass sie die Dinge gut machen, aber sie schaden Mutter Erde, der Pachamama sehr. Ich ermutige diejenigen, die sich dem Ayahuasca nähern und die es einnehmen, dass wir den Planeten wertschätzen müssen und ihn auf die bestmöglichste Weise behandeln und für ihn sorgen, damit es für unsere Kinder eine Zukunft geben wird.

Kann man Ayahuasca ohne einen Schamanen einnehmen?

Ja, immer dann, wenn jemand dabei ist, der die Pflanze schon eingenommen hat und sie kennt. Ein Mensch, der den Patienten sehr präsent betreut. Es ist nicht gut, die Medizin alleine zu nehmen, ohne zu wissen, worum es sich bei diesem Mittel tatsächlich handelt. Viele Menschen werden durch die Einnahme unkontrolliert und wenn niemand da ist, dann tun sie Dinge, die sehr schädlich sein können. Ich erinnere mich an eine Person, die sich als Schamane gekleidet hatte. Sie war nicht eingeboren, sondern weiß und sie erlebte eine sehr heftige Reaktion. Sie verließ die Zeremonie, entkleidete sich vollkommen und lief nackt auf die Straße. Um die Medizin alleine einzunehmen sollte man sich vorher ein großes Wissen aneignen, anderenfalls kann es sehr abträglich sein.

Kann eine weiße Person dahin kommen, die Heilkraft von Ayahuasca zu fühlen und zu verstehen?

Selbstverständlich, sogar besser als selbst ein Einheimischer. Heutzutage nehmen es viele Einheimische gar nicht mehr. Im Gegenteil, es gibt Weiße, die ein wesentlich tiefgreifenderes Wissen haben und die Heilpflanze mehr schätzen, als mancher Einheimische. Es handelt sich um eine Pflanze, die nicht für die ganze Welt geschaffen ist. Sie ist sehr machtvoll, aber es gibt einige Menschen, welche die Pflanze bereits zutiefst verstehen und kennen. Für diese weißen Menschen besteht überhaupt kein Problem darin, ihre eigene Medizin auszuteilen.

Glauben Sie, dass es einen Weg des Dialogs zwischen den einheimischen Gemeinschaften und den Menschen außerhalb des Amazonasgebietes geben kann, wie zum Beispiel mit Alberto Varela oder anderen, die Ayahuasca auf heilsame Weise benutzen?

Ja, auf jeden Fall. Mein Großvater sagt immer, dass man durch das Gespräch die Dinge versteht und wenn wir reden, wenn wir zusammenkommen und miteinander Gespräche führen, dann werden wir vieles klären und vorankommen, davon bin ich überzeugt.

Wie ist die Situation des Cofan-Volkes zur Zeit?

Gottseidank kommen wir allmählich voran. Unsere Gemeinschaften benötigen vieles, wofür wir Hilfe von außerhalb brauchen. Zur Zeit gibt es ein Projekt des Errichtens einer Schule. Im Augenblick ist unsere Schule ein Haus, aber es kommen immer mehr Schüler und es gibt zu wenig Platz, weder zum Spielen, noch für den Sport. Wir hätten gerne eine gute Schule, um unsere eigene uralte Kultur zu vermitteln. Ich hätte auch gerne irgendeine Art von Hilfe, um eine schöne Maloca (ein heiliger gemeinschaftlicher Ort, an dem Rituale und Versammlungen mit der ganzen Gemeinde abgehalten werden) für meinen Großvater Querubin zu errichten. Andere Gemeinden, sogar die weißen Leute haben das, wir jedoch nicht, obwohl dies ein wichtiger Platz für unsere Leute ist. Wir brauchen auch Hilfe, um einige Wege zu reparieren, die zu unserem Reservat führen. Ebenso für die Grenzen, die unser Reservat von den weißen Leuten trennen. Sie holen mit ihren Tieren Holz und beschädigen die Wege zu unserem Reservat. Unser Volk benötigt vieles, was allmählich verbessert werden kann. Ich denke, man sollte Yagé aussäen, damit es nicht zu Ende geht, da es die fundamentale Basis ist, uns zu organisieren und eine Arbeitsstruktur zugunsten des Überlebens für die Zukunft unserer Gemeinschaft zu schaffen.

In herkömmlicher Weise haben die indianischen Gemeinden keinen Gewinn mit den natürlichen Reichtümern ihrer Umgebung gemacht.

Es steht fest, dass man uns immer übergegangen hat. Die Ölgesellschaften kamen und führten seismische Proben durch, dann gingen sie wieder und kehrten nach einiger Zeit zurück. Wir haben allerdings bewirkt, dass die Gemeinde hinzugezogen wird. Bevor sie das Haus von jemandem betreten, müssen sie erfragen, ob sie vorbeikommen können. Oft aber übergehen sie das und trampeln durch das ganze Dorf. Sie bauen auch weitere Straßen und mehr und mehr Weiße siedeln dort an. Diese Leute kommen mit anderen Bräuchen und Kenntnissen und unsere Kinder verändern sich dadurch. Sie wollen bereits nicht mehr die Sprache sprechen. Sie holen sich immer unsere Reichtümer, das Öl, das Holz, die Tiere…ohne unseren Gemeinden irgendetwas dafür zu hinterlassen. Putumayo war früher vollkommen einheimisch, Leute des Cofán-Stammes. Jetzt werden wir besiedelt und man drängt uns in die “Reservate” zurück. Wir fordern mehr Land, Land, welches wir für die Zukunft versorgen können. Durch unser Land führt eine Erdölleitung und die Guerillas selbst brachten diese zur Explosion. Dabei ergoss sich das Öl über das untere Land und hat alles verseucht. Es gab Bereiche, in denen unser Volk zum Baden und Fischen ging und all das ist vorbei. Es geht uns sehr nahe, das verseuchte Land, die Ausräucherungen und die Fische sterben zu sehen.

Wovon lebt das Volk der Cofán?

Wir leben von der “Chagra”. Das ist der Platz, wo wir Bananen und Yucca anpflanzen…Wir leben auch von der Jagd in den Bergen, obwohl das immer weniger wird, da die weißen Leute die ganzen Tiere des Dschungels ausgerottet haben. Diese Menschen jagen und fischen viel, um es auf die Märkte zu bringen. Sie töten die Fische mit Dynamit oder mit Gift. Wir jagen lediglich für unser eigenes Bestehen. Heutzutage gibt es immer weniger Wild. Sie haben es von unserem Land verscheucht. Wir führen Gespräche, um diese Praxis zu beenden und um ihnen zu zeigen, welchen Schaden sie damit anrichten.

Welche Rolle spielen die neuen Generationen des Cofan-Volkes´in ihren Gemeinden?

Einige von ihnen fahren mit der Tradition des Yagé fort. Sie leben und arbeiten für die Bedürfnisse unseres Volkes. Vor allen Dingen wollen wir unseren Urwald, unsere Bräuche und Kenntnisse beschützen. Es gibt auch Indianer, denen es peinlich ist so bezeichnet zu werden. Sie wollen Weiße sein und enden bettelnd in den Städten und müssen den Müll essen.

Was kann das Cofán-Volk dem Westen beibringen?

Wir können viele Dinge lehren. Das Wichtigste ist, das Leben wertzuschätzen, Mutter Erde zu achten, denn sie ernährt uns alle. Der Westen muss lernen, Pachamama nicht zu zerstören. Man muss sich fragen, was man den Kindern und den Kindern der Kinder hinterlassen möchte. Was werden sie essen, wie werden sie atmen, in welchen Flüssen werden sie fischen und schwimmen können, sie werden die Tiere und Heilpflanzen nicht kennen…

Ist das Volk der Cofán gegen Habgier immun?

Ich weiß nicht, was das Wort Habgier bedeutet.

Habgier ist die Gier nach viel Geld und vielen anderen Dingen…

Wir wissen sehr gut, dass Geld nicht alles im Leben ist. Es gibt vieles, was sich mit Geld nicht erwerben lässt. Der Großvater meines Großvaters kannte das “Geld” nicht. Aber es stimmt auch, dass man heutzutage Geld zum leben benötigt, da wir kaum mehr jagen und fischen können. Wir müssen überleben und das Geld hilft dabei sehr. Für ein kleines Häuschen, in dem man Zuflucht findet und für die Überweisung an die Kinder…Mein Onkel hat gesagt, dass “das Geld zu Ende geht und der Freund bleibt” und das stimmt.

Welche Botschaft haben Sie für die Menschen, die zu Inner Mastery kommen?

Die Botschaft, die ich ihnen hinterlassen würde ist, dass sie das Leben bewusst leben sollten, die kurze Zeit schätzen und festen Schrittes nach vorne gehen sollten sowie mit allen Mitteln das gut behandeln sollten, was sie umgibt. Ich würde sie auch darum bitten, ihren indianischen Freunden bei den Bedürfnissen der Gemeinden und Territorien zu helfen. Wir brauchen die Hilfe von allen, um fortbestehen zu können und um den Dschungel zu versorgen und von ihm zu lernen. Um unseren Leuten, unseren Kindern eine Zukunft zu geben, sowie unserer Kultur, die nicht verlorengehen soll.

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