Chronik eines Spirituellen Vagabunden (2) DIE EINSAMKEIT

Chronik eines spirituellen Vagabunden

Trügerische und weise Einsamkeit: wir sind scheinbar getrennte Teile des Ganzen.

Ich denke, dass es keine schwierigere Erkenntnis zu verarbeiten gilt als die Idee, dass wir allein sind. Auch wenn wir noch so sehr in Begleitung sind und umgeben von einer Million von Menschen, allein werden wir immer sein, so sind wir gekommen und so werden wir gehen. In diesem Kapitel werde ich über das Bewusstsein der Einsamkeit erzählen, die einen Suchenden braucht.

Die Reise und Suche eines spirituellen Vagabunden zwingt ihn dazu, einen Gedanken mit sich zu nehmen, der das ganze Gepäck durchdringt, und dieser Gedanke darf ihn niemals verlassen, denn es wäre sehr gefährlich, die Reise fortzusetzen und ihn zu vergesssen. Dieser Gedanke ist, dass er allein ist. An dem Tag, an dem er das vergisst, kommt die Fortdauer seine Reise, sich selbst zu finden, in Gefahr.

Ein Vagabund ist jemand, der allein unterwegs ist, er braucht keine Gesellschaft. Begleitung mitzunehmen wäre eine Last, die es ihm nicht erlauben würde, sich in Freiheit zu bewegen. Ein Vagabund entscheidet für sich selbst über jede Bewegung, jeden Schritt, den er tut. Er weiβ, wann er anhalten und sich wieder in Gang setzen muss. Er berät sich mit niemandem darüber, wie lange er an jedem Ort zu bleiben hat, er zweifelt nicht daran zu gehen, wenn ihm danach ist, auch wenn er an den schönsten aller Orte gelangt ist und sogar auch dann, wenn ihm das beste aller Angebote gemacht wird. Er kann bleiben und das annehmen, was ihm angeboten wird, es genieβen und Nutzen daraus ziehen. Ein spiritueller Suchender kann zu Angeboten nicht NEIN sagen, er hört sich alle ohne Ausnahme an, aber willigt einzig und „allein” in die ein, nach denen ihm ist und weiβ, dass er niemals dort bleiben wird, dass kein Ort das Endziel ist und er deswegen keine unbefristeten Verträge unterschreibt, aber deswegen aber trotzdem nicht seinen Verpflichtungen ein Fälligkeitsdatum gibt. Er weiβ, dass sein Weg weitergehen wird, woanders hin und bei einer anderen Situation. Ein Vagabund ist ein zielstrebiger Suchender, nonkonformistisch, der immer seinen Blick über alles erhebt, was er sieht. Er blickt über alle scheinbaren Zweckmäβigkeiten und Interessen, und über alles was gewertert werden kann, hinaus. Tatsächlich hat der Vagabund, als er seinen Weg begonnen hat, alle Bindungen und Abhängigkeiten aufgeben müssen; so ist er losgegangen und so wird er fortschreiten, ohne nach hinten zu schauen.

Dies wiederhole ich ein ums andere Mal: “Hier bin ich, in Einsamkeit, so bin ich geboren und so werde ich sterben, in absoluter Einsamkeit”, dieses Gefühl der Einsamkeit begleitet mich, seitdem ich denken kann. Es ist ein Gefühl unendlicher Nützlichkeit, es ist das, was mich davor gerettet hat, anderen die Schuld für etwas zu geben, was mir geschieht, es kommt nämlich all das nur zu mir, was ich verdiene. Ich selbst löse es aus; es hat mich auch davon abgehalten, mich auf andere Menschen zu verlassen und ihnen mein Gewicht aufzuzwingen. Mein Gewicht ist mein eigenes und von niemanden sonst, ich belaste mich selbst und akzeptiere keine fremden Lasten. Davon abgesehen haben sich so alle Möglichkeiten vor mir verschlossen, mich zu entschuldigen etwas nicht tun zu können, aus Gründen die auβerhalb meiner Selbst liegen; wenn ich nicht will, dann ist es weil ich nicht kann und wenn ich nicht kann, dann weil ich nicht will.

Alles beginnt und hört bei mir auf. Niemand steckt in meiner Haut. Ich bin allein, das der Gedanke.

 

Kostbare Einsamkeit

Die Einsamkeit ist eine existentielle Wirklichkeit vor der wir nicht fliehen können. Die Einsamkeit ist nicht nur die Stille, aus der die Freiheit entsteht man selbst zu sein, sondern auch eine konstante meditative Therapie. Wir sehen die Einsamkeit nicht als Feind, kommt sie doch weder von der Isolation, noch geschieht sie durch einen sozialen Unwillen. Die Einsamkeit, die man spürt und genieβt, wird von Osho „Alleinsein“ genannt. Es ist der harmonische Zustand mit dem Gedanken Allein zu Sein. Es ist eine kostbare Einsamkeit, denn durch sie geschieht das Wunder des Begreifens dessen was wir sind, wo wir herkommen und wohin wir gehen. Dies ist der Grund warum ein spiritueller Vagabund sich unsterblich in die Einsamkeit verliebt. Sie wird sein Begleiter sein bis zum Ende des Weges. Das Akzeptieren der Einsamkeit als Realität, ist die erste Tür die sich ins Innere des Suchenden öffnet. In Einsamkeit beginnt man zu sehen.

Das Bewusstsein der Einsamkeit ist die Überlebenssicherung des spirituellen Vagabunden. Er weiβ, das niemand in jemails begleitet, er kann in Gesellschaft sein, mit Menschen teilen, für die er Liebe auf seinem Wege empfindet, aber der, auch wenn er einen Moment der grössten Vertrautheit mit jenen Menschen hat, weiβ, dass er allein ist. Er kann lieben und mit denen zusammen sein, die er liebt, ein ganzes Leben lang, aber allein wird er immer sein.

Die Einsamkeit als existentielle Realität zu begreifen, ist die Grundlage an der wir uns festhalten können wenn wir an an einer unvorhersehbaren Überquerung stehen, bei der ein einziger Blick nach auβen uns ablenken kann und uns sogar stoppen kann auf unserer wunderbaren Reise.

 

Wunderbare egoistische Strategie

In Realität ist die Einsamkeit eine Lüge, keiner ist in Wirklichkeit allein, aber am Anfang der Reise ist es vital, mit der Einsamkeit in Einklang zu kommen, um zu begreifen, dass es niemand anderen gibt, der mit der Suche beginnen kann; man selbst ist und wird da sein, um Entscheidungen treffen zu könnnen, Belastungen auf sich zu nehmen, sich mit Situationen zu konfrontieren, das Lernen einzubringen, sich vorwärts zu bewegen…und dann, weiter vorwärts. Jeder Vagabund der seinen Weg fortführt, wird merken, dass er niemals allein gewesen ist, niemals, und dass niemand jemails allein gewesen ist, dass die Einsamkeit ein Gefühl ist, das durch das scheinbare Getrenntsein vom Ganzen entsteht. Man kann nicht allein sein in einer Existenz in der alles Eins ist und es nur eine Realität gibt, in der alles miteinander verbunden und vereint ist. Wir sind Eins. Eins ist die Existenz. Alles was in ihr existiert ist auch nur Eins. Die Dingen scheinen durch den Raum und die Entfernung von einanderund getrennt zu sein, dem ist aber nicht so, es hat nur den Anschein, sonst nichts. Sogar das Nichts ist Teil des Ganzen, es ist das verbindende Gewebe von allem was existiert auf der materiellen Ebene. Es verbindet alles mit allem. Das Nichts bringt uns näher und vereint uns, umarmt uns alle vertraulich durch die Bande der Liebe. Deshalb sagte Osho dass die Liebe keine Verbindung ist, sondern dass sie uns mit allen verbindet. Deswegen ist die Liebe diese subtile Konnektivität, die alles verbindet.

Ja, es ist wahr, dass wir allein, aber trotzdem miteinander verbunden sind, aneinander geschmiegt, um die gleiche Sache zu machen, den Ursprung zur gleichen Sache gebend: die Existenz. Deswegen ist existieren zu können so wertvoll, da es bedeutet Teil eines Ganzen zu sein. Darum ist das Vagabundieren so begeisternd, weil der Vagabund unbekannte energetische Orbits bereist, solche die wir schon seit Millionen von Jahren durchquert haben, auf materieller Ebene, in einem Körper, auf einem fernen Planeten, hineingesteckt in eine fleischliche Realität, die Sehnsucht hat, sich wieder mit ihrer ewig spirituellen Essenz zu verbinden.

Die Existenz ist Eins, ich bin Eins mit der Existenz und Du ebenso. ES GIBT KEINE EINSAMKEIT, dies ist eine zwangsläufige Lüge, notwendig allein für den Beginn der Reise, da wir so daran gewöhnt sind abhängig zu sein, uns auf jemanden zu stützen, um Hilfe zu bitten, dass wir gerettet werden, sodass wir nicht damit beginnen können, uns selbst zu vertrauen. Wenn ein spiritueller Vagabund seine Reise beginnt, muss er wissen, dass er allein ist, wenn auch nur für einen Augenblick, auf diese Weise beginnt er zu vertrauen. Die Idee der Einsamkeit ist eine Strategie, um sich von allen zu lösen und sich zu erlauben, Vertrauen in einen selbst entstehen zu lassen. Dies ist die effektivste und eleganteste Art und Weise, sich von den anderen zu lösen, sie aus dem Weg zu entfernen. Dies ist die Art auf welche das Bewusstsein einen Schritt auf das Begreifen des Ganzen hinzu geht.

Die Einsamkeit gehört weder mir noch Dir, sondern zur Existenz. Die Existenz ist in der Tat allein und nur sie allein, es gibt nichts anderes als die Existenz. Auf allen Reisen, die man wegen ihr unternimmt, ist man niemals allein.

Auf dieser Reise als spiritueller Vagabund haben mich die Sterne begleitet, die Flüsse, die Sonna und der Mond, die Wolken, das Meer, die Berge, Tiere und Pflanzen. Sogar Menschen, welche auch immer es sein mögen, sind meine Begleiter gewesen, sogar Feinde und jene, welche ich niemals kennengelernt habe.

Ein spiritueller Vagabund erkennt deutlich, dass die Tatsache sich allein zu fühlen nur eine vorübergehend nützliche Erfindung ist.

Du warst niemals allein. Du bist nicht allein und wirst es niemals sein. Auch wenn Du Dich im Inneren allein fühlst, schau nach Auβen und beobachte alles was Dich umgibt, Du wirst durch das Ganze begleitet. Habe Mut und vertraue als Erstes in Dich selbst, das Vertrauen ist der ewige Kraftstoff, der entsteht, wenn man den vorübergehenden Gedanken der Einsamkeit versteht.

Du kannst vielen Gruppen angehören, eine Familie haben, in Kommunen leben, Dich unter die Menge mischen, aber denke daran, dass das, was in Wirklichkeit wichtig ist und das, was Dich in jeder Situation retten wird, alles in Dir steckt und Dein Bewusstsein, bezüglich der Einsamkeit, es Dir möglich machen wird, Dich dem Leben und seinen Angelegenheiten entgegen zu stellen.

Der spirituelle Vagabund hat mir ins Ohr geflüstert: „Hab keine Angst Alberto, fühl‘ Dich nicht allein, das was die Sterne leitet, wird auch Dich geleiten. Die gleiche Energie, die die Galaxien bewegt, bewegt auch die Menschen; die gleiche Weisheit, die den Weltraum erweitert, ist in der Lage den inneren Raum zu erweitern.“

Das Leben durchqueren wir allein, aber begleitet durch alles Existierende. Was für eine wundervolle Gegensätzlichkeit.

 

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