TRANSZENDETER DIALOG. Eine Leserin auf der Suche nach Antwort: Wer handelt in uns, das Ich oder das Sein? Von Lissette Morales aus Chile.

MANCHMAL IST ES EINE EINFACHE FRAGE, DIE DICH FÜR IMMER GEFANGEN HALTEN KANN

Manche unserer Fragen birgen potentielle Fallen, was vorallem von der Qualität ihrer Suche und von demjenigen, welcher sie formuliert, abhängt.

FRAGE:

Hallo Alberto, ich bin ein treuer Anhänger deiner Artikel über den spirituellen Landstreicher. Im letzten Jahr hat sich das Vertrauen für mich zu einer zentralen Energie in meinen Leben entwickelt. Manchmal tue ich Dinge, die ich nicht nachvollziehen kann, die ich jedoch nach längerere Reflexion anfange zu verstehen. Es verzaubert mich, denn es ist ein großer Schritt – erst handeln, dann denken. Aber im Vertrauen zu leben hat mich passiv gemacht und ich verweile im “Nichtstun”. In diesem Dilemma befinde ich mich momentan. Wer möchte also handeln, das Sein oder das Ego? Warum soll ich handeln,warum verzweifle ich am Stillstand? Vielleicht ist es das Gefühl des Wartens darauf, dass die Dinge geschehen, welches mich scheitern lässt. Und da es sich um ein absolutes Konzept handelt, stehe ich wieder am Anfang: Ich vertraue nicht. Danke dafür, dass ihr euch so eingehend mit diesem Thema beschäftigt.

Lissette Morales aus Chile

ANTWORT:

Danke Lisette für das entgegengebrachte Vertrauen in unsere Fähigkeit, dir auf deiner Suche weiterhelfen und dir die entscheidenden Ratschläge geben zu können, welche dich in deinem Entwicklungsprozess nach vorne bringen werden. Zumindestens vertraust du dich in dieser Hinsicht etwas oder jemandem an. Das Vertrauen meint nicht zur zu vertrauen, das ist das erste funktionelle Konzept. Es richtet sich zuerst an das Äußere, also an Andere, und dieses Vorgehen ist sehr wichtig. Ein Schüler mit Mangel an Vertrauen sucht einen Meister auf und fängt an, diesem zu vertrauen. Später wird der Meister ihm zeigen, wie er dieses Vertrauen auf sich selbst projizieren kann. Das ist der Prozess des inneren Meisters.

Zuerst einmal ist es wichtig sich klar zu machen, an welchem Punkt man sich in seinem Entwicklungsprozess befindet. Das Vertrauen hat dich zu mir geführt, es ist also in diesem Sinne aktiviert. Jetzt gilt es herauszufinden, es auf dich zu richten, denn das ist ausschlaggebend für seine Beherrschung.

Die Tatsache selber gemerkt zu haben, dass das Vertrauen sich für dich zu einer zentralen Energie in deinen Leben entwickelt hat, zeigt, dass du dich bereits auf dem Weg der Heilung und dem zentralen Kern befindest. Viele Menschen möchten sich heilen ohne das Missvertrauen überwinden zu wollen. Das sollte dich anregen, über dich nachzudenken, da du in deiner Suche sehr bestimmend vorgehst. Du weißt, was du willst und wie du es willst. Offensichtlich möchtest du keine Zeit verlieren und steuerst zielstrebig auf den Kern der Frage zu: VERTRAUEN. Deine Frage verhilft dir außerdem, dich dir selbst gegenüber zu öffnen. Die meisten Fragen trennen die Personen von ihrem Sein. Erkenne daher, was du bist, deine Weisheit und deine Art, das Leben zu fokusieren.

Auf der anderen Seite stellst du auch fest:es ist eine großer Schritt – erst handeln, dann denken. Aber im Vertrauen zu leben hat mich passiv gemacht und ich verweile im Nichts-tuen. In diesem Dilemma befinde ich mich momentan”. Du hast also offensichtlich verstanden, dass du dich in einer Phase des Umbruchs befindest. Du hast genau das eingesetzt, was du vorher auch getan hast: erst denken, dann handeln. Aber wenn wir wirklich frei fließen merken wir, dass wir dem rationalen und spekulativen Denken seiner Macht entledigen, wenn wir erst handeln. Dadurch lassen wir uns vom Instinkt, unserem menschlichen Trieb, leiten. Das ist genau deine aktuelle Vorgehensweise, die jedoch unzureichend ist und dich daher in das Dilemma führt. Dies ist nur eine Etape deines Heilungswegs, aber von dort aus kannst du viel weiter kommen, wenn du dir vornimmst, erst zu fühlen, bevor du agierst. Das Dilemma liegt darin begründet, dass dein Handeln und sein Gegenstand noch immer von den Gedanken geleitet wird. Man bewertet die Dinge und lehnt sie dadurch womöglich ab. Wenn du fühlst und agierst darfst du dich diesem vollkommen hingeben. So kann der Gedanke keinerlei Kritik oder Analyse über dein Handeln ausüben. Das Herz verwandelt unsere Aktionen in pure Liebe und Genuss. Wenn dies geschieht, wird der Kopf handlungsunfähig. Wie schon meine Mutter zu sage pflegte: “Wer nimmt mir schon das bereits getanzte”.

Wenn du dich in deinem aktuellen Prozess weiterentwickelst, kannst du in nicht allzu weiter Ferne das Konzept von “erst fühlen – dann handeln” ganz frei leben. Dann wirst du merken, dass es auf wundersame Weise von selbst geschieht. Dann verbindest du dich mit dieser “dem Leben einen Sinn gebenden” Magie, der Beweis dafür, dass alles im Leben auf Vertrauen basiert und auf seine eigene und natürliche Weise fließt. Daher bekräftige ich, dass derjenige ohne Vertrauen nicht handelt. In einem bestimmten Punkt verschwindet dieses Ich, das stets aktiv war und Dinge zu erledigen hatte, das stets damit beschäftigt war das Leben in eine bestimmte Richtung zu lenken. Genau hier liegt das Hauptproblem begründet. Es handelt sich nämlich hierbei um die große Manipulation, die in dir existiert hat, jedoch anfängt sich aufzulösen. Der innere Kontrolleur scheidet dahin. Sobald du dich von diesem Kontrollzwang befreit hast, wirst du die Kraft finden, dir selber zu vertrauen.

Zusammenfassend kann ich dir auf deine Frage “Wer möchte also handeln, das Sein oder das Ego? Warum soll ich handeln,warum verzweifle ich am Stillstand?” folgende Antwort geben.

Meine Antwort an dich, Lisette, ist die Frage: Wer stellt diese Frage? Wenn du herausfinden kannst, wer es ist, kannst du ihm mitteilen, dass du nun keine dieser dummen Fragen mehr stellen brauchst, da du einen großen Schritt in die Reise des Vertrauens geschafft hast. In Wahrheit ist es nicht wichtig zu wissen, ob es das Ego oder das Sein ist, welches sich in unserem Handeln ausdrückt. Es ist sehr wichtig herauszufinden, wer in dir  diese absurde Frage formuliert hat. Ich möchte dir damit sagen, dass es die Frage ist, welche nicht klug ist, nicht bei dem Autor der Frage.

Wann immer du bereit bist, können wir weitaus tiefer in die Materie gehen.

Es hängt nur von deiner Frage ab.

Alberto José Varela

[email protected]

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