ICH BIN NICHT, die drei Worte, welche die Limitierungen des Egos deaktivieren. Ein Ausdruck, der die Tür des Verstehens und Erwachens öffnet. (Nicht-Therapie für das Sein: 2. Teil)

EIN AUSDRUCK, DER TRANSFORMATION VERURSACHT.

Auszudrücken: “Ich bin nicht” ist wie, sich aus dem Gefängnis der Konditionierung zu befreien, um zu beginnen, das Geheimnis zu verstehen.

 

Als Abraham auf dem Berg eine göttliche Präsenz wahrnahm, fragte er beim Betreten der Höhle, aus welcher diese mächtige Stimme kam: Wer bist du? Und eine tiefe Stimme antwortete: ICH BIN, WAS ICH BIN. Juden und Christen haben diese Präsenz “GOTT” genannt, aber es war die Stimme des Bewusstseins. Sogar die Bibel berichtet, dass Abraham an dem Ort, wo diese Stimme herkam, nur Licht sah.

Es ist nicht wichtig, ob dieser biblische Text eine Sage oder Geschichte ist, welche die Interpretation eines Mannes beschreibt, der eine entheogene Begegnung mit seiner eigenen Göttlichkeit hatte. Ich erwähne diese, weil es meiner Meinung nach einer der bedeutsamsten Texte in der Bibel ist. Gott kann nicht sagen: “ICH BIN GOTT”. Er würde auf ewig alles verderben und er würde aufhören, es zu sein. Wenn ich sagen würde: ICH BIN ALBERTO, würde ich auch alles verderben, weil ich einen Namen verwenden würde, um zu definieren, was ich bin. Wenn du jetzt gerade sagen würdest: “ICH BIN LESER, ICH BIN SUCHENDER, ICH BIN EINE GÖTTLICHE SEELE”, würdest auch du alles verderben, weil du dich innerhalb von Begrenzungen einschliessen würdest. Erstens bist du auch Schriftsteller, du bist was du suchst und du bist menschlich; und zweitens ist keiner dieser zwei Teile die Gesamtheit dessen, was du bist. Ich bin Schriftsteller, ich bin Leser und ich bin viel mehr als diese zwei Teile.

Wenn wir beginnen das, was andere uns sagen, mit unserer Art zu Sein zu verknüpfen, konstruieren wir unsere Identität und als Konsequenz auch unser Ego. Das Ego sammelt die Wahrnehmungen der Umgebung, um zu erkennen, wie es eine stabile und konsistente Art zu Sein konstruieren soll, welche der Gesellschaft präsentiert werden kann. Obwohl das Ego ein improvisierter Pfusch ist und tausend Fehler oder wesentliche Probleme hat, ist es sehr gesund zu erkennen, dass das Ego Gott ist (oder der göttliche Teil in uns), welches auf einer menschlichen, materiellen und fleischlichen Ebene arbeitet und versucht den Anderen ein ausgewogenes Erscheinungsbild zu präsentieren. Das Ego repräsentiert die Göttlichkeit, welche hervorkommt, um mit der Illusion zu interagieren. Dafür ist das Festigen einer Identität notwendig, welche wir grundsätzlich so definieren: „Ich bin Alberto, ich bin Schriftsteller, ich bin Vater, etc.“. So glaubt das Ego, jemand zu sein (obwohl es in Wirklichkeit niemand ist, weil niemand existiert). Aber es ist dieses Gefühl der Existenz, das es uns ermöglicht, innerhalb des tiefen Traums, in dem wir uns befinden, zu interagieren.

Das Temperament, der Charakter und das Erscheinungsbild sind Gefährten des Egos, aber die Identität ist ein Kernpunkt. Das Temperament kann schwanken, der Charakter kann variieren, das Erscheinungsbild kann ändern, aber die Identität ist in der Psyche durch einen Identifikationsprozess verschlüsselt, der uns begrenzt und in einem schrecklichen Gefängnis einsperrt, was uns wiederum Leiden verursacht, da wir das Unbegrenzte und Unendliche unseres Seins nicht zeigen können.

Wenn wir anfangen, dies zu realisieren (sei es durch das Lesen von Literatur über das Thema ICH BIN), können wir beginnen zu verstehen, dass wir nicht etwas Begrenztes sind, sondern etwas sehr Mächtiges, Unbeschreibliches und Undefinierbares. Der überzeugendste Ausdruck wäre: “ICH BIN, WAS ICH BIN”. Stell dir vor, wenn sie dich fragen: Wer bist du? Und du würdest antworten: “Ich bin” oder “Bin” oder schlimmer: “Ich bin, was ich bin”. Sicher würden sie dich für verrückt halten.

Der Zugang zu haben zum Geheimnis, was wir sind, bedeutet, ein bisschen verrückt geworden zu sein. Eine Verrücktheit, in welcher der Verstand nicht derjenige ist, der die ganze Macht hat, in Bezug auf was er weiß und versteht. Die Verrücktheit besteht genau darin, über den Verstand und seine Limitierungen hinauszugehen. Seiner Tyrannei zu entfliehen, welche uns zwingt, uns nach dem Bekannten zu definieren, abhängig davon, was wir gesehen, gehört und wahrgenommen haben.

Wie Darwin Grajales in seinem Lied sagen würde: “Ich bin verrückt, aber ich will so bleiben”.

Dieser Grad an Verrücktheit, den wir, die versuchen die Limitierungen zu durchbrechen, entwickeln, ist das, was es uns erlaubt das Tiefe und Unbekannte zu erforschen mit der Absicht zum Geheimnis vorzudringen, was wir sind. Daher ist es grundlegend, das ICH BIN NICHT zu durchleben. Wenn ich zuvor sagte: “Ich bin Alberto”, sage ich jetzt: ICH BIN NICHT Alberto, denn ICH BIN NICHT nur ein Name. Vorher behauptete ich: “Ich bin Schriftsteller”, jetzt sage ich: Ich schreibe gern. Weil ICH NICHT DAS BIN, was ich tue. Und so können wir das mit all den vorhandenen Identifikationen machen. Um diesen Zustand des Verstehens zu erreichen, müssen wir die Frage stellen: Wer bin ich? Es ist die Frage, die ich stelle, wenn ich NICHT-THERAPIE praktiziere, eine Methode, die ich geschaffen habe, um die Lüge von dem, was wir zu sein glauben, sichtbar werden zu lassen.

Viele Personen, die verstanden haben, dass sie keine Ansammlung von äusseren Erscheinungen sind, bestätigen: „Ich bin Licht, ich bin Liebe, ich bin der Kosmos, ich bin das Bewusstsein, ich bin alles, ich bin Gott“. Es klingt sehr schön und gehoben, aber dieses Konstrukt ist nicht nützlich, um sich von der Identität zu befreien. Denn auch wenn du über differenzierte und spirituelle Identifikationen verfügst, wie es bei einem spirituellen Ego der Fall ist, welches sich mit den höchsten Aspekten identifiziert wie dem Bewusstsein und dem (oberflächlichen) Verständnis von dem, was wir sind. Um tiefer und weiter zu gehen, können wir nicht bei den Bestätigungen dessen bleiben, was wir sind, wir müssen verstehen, was wir nicht sind.

Es fällt uns sehr schwer zu sagen: “ICH BIN NICHT”. Es scheint, als ob dies eine Leere in uns zurücklässt. Aber ich meditiere seit mehr als 10 Jahren über dieses Thema und finde keinen anderen Ausweg aus der Gefangenschaft in der Identität, welche nur eine Ansammlung von Bindungen ist, welche wir zu sein glauben. Ich nenne diese Befreiung “die große Flucht”, weil es bedeutet, der Lüge zu entkommen, die wir verkörpern.

EIN MENSCH BEGINNT DEN PROZESS DER TRANSFORMATION, WENN ER VERSTEHT, DASS ER NICHT DAS IST, WAS ER VORHER ZU SEIN GLAUBTE.

Von ganzen Herzen und von einem wachen Bewusstsein aus sagen zu können: „ICH BIN NICHT“, hat eine tiefgreifende Wirkung, welche bis zum SEIN selbst vordringt, welches schlafend und vergessen in uns lebt, weil es durch das Ego ersetzt wurde, dieser falsche Kopie des unendlichen Geheimnisses, welche uns beherrscht, voll mit Verzierungen, Masken und Verkleidungen.

Sogar das Erwachen des Bewusstseins hängt in gewissem Maße vom Verständnis ab, dass wir nicht sind. NICHT SEIN ist für viele von uns ein harter und unzugänglicher Weg, ein Weg, der jene von uns, die mutig und risikobereit sind, zum tiefsten Kern des Geheimnisses führen kann.

Alberto José Varela

nosoy@albertojosevarela.com

 

ICH BIN. Die zwei widersprüchlichsten und inkompatibelsten Wörter der menschlichen Sprache. Die zwei Seiten einer Falle, die das SEIN gefangen hält. (Nicht-Therapie für das Sein: 1. Teil)

 

 

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